SCRM Lieferanten-Compliance & Risikomanagement

Erklärung · Auditpraxis

Wie Audits ablaufen – und wie man sich vorbereitet.

Die meisten Feststellungen entstehen nicht, weil etwas fehlt, sondern weil es im Termin nicht auffindbar ist. Wer den Ablauf kennt, verliert diesen Vorteil nicht.

Ein Audit ist eine Stichprobe. Der Auditor kann in wenigen Tagen unmöglich alles prüfen und wählt deshalb aus – anhand des Risikos, der Vorgeschichte und dessen, was ihm im Gespräch auffällt. Diese Auswahllogik zu verstehen, ist mehr wert als jede Checkliste.

Geprüft wird immer an Nachweisen. Die Frage lautet selten „haben Sie einen Prozess“, sondern „zeigen Sie mir den letzten Fall“. Was sich dann nicht innerhalb weniger Minuten zeigen lässt, gilt praktisch als nicht vorhanden.

Die Arten und was sie unterscheidet

ArtWer prüftWorauf es ankommt
Internes AuditEigene, geschulte und unabhängige PersonEhrlichkeit. Ein internes Audit ohne Feststellungen ist für den Zertifizierer ein Warnsignal, kein Gütesiegel.
ZertifizierungsauditAkkreditierte Zertifizierungsstelle, in zwei StufenStufe 1 prüft die Bereitschaft und die Dokumentation, Stufe 2 die gelebte Wirksamkeit vor Ort.
ÜberwachungsauditDieselbe Stelle, jährlich zwischen den ZertifizierungenKürzer, mit Schwerpunkt auf Veränderungen, offenen Massnahmen und Reklamationen.
RezertifizierungDieselbe Stelle, alle drei JahreBetrachtet den gesamten Zyklus, einschliesslich der Entwicklung über die drei Jahre.
KundenauditIhr Kunde oder ein von ihm beauftragter PrüferFokussiert auf den Vertrag und die gelieferte Leistung, oft mit eigener Checkliste des Kunden.
LieferantenauditSie bei Ihrem LieferantenDie Rolle wechselt. Hier gelten dieselben Regeln, nur umgekehrt – inklusive Qualifikation der prüfenden Person.
BehördeninspektionAufsichtsbehörde, teils unangekündigtKein Beratungsgespräch. Was nicht vorliegt, wird protokolliert, nicht diskutiert.

Der typische Ablauf eines Zertifizierungsaudits

  1. AuditplanVorab: Welche Bereiche, welche Zeiten, welche Ansprechpartner.Prüfen Sie den Plan und melden Sie Abwesenheiten früh. Eine fehlende Schlüsselperson kostet einen halben Tag.
  2. EröffnungsgesprächVorstellung, Bestätigung des Plans, Klärung der Rahmenbedingungen.Hier fällt der erste Eindruck. Wer den eigenen Geltungsbereich nicht sauber beschreiben kann, wird genauer geprüft.
  3. Prüfung vor OrtGespräche, Einsicht in Aufzeichnungen, Beobachtung von Tätigkeiten.Der Auditor folgt Spuren. Eine Antwort erzeugt die nächste Frage – deshalb keine Themen aufreissen, die nicht gefragt waren.
  4. ZwischenstandMeist täglich eine kurze Rückmeldung.Nutzen Sie sie. Ein Missverständnis lässt sich am selben Tag ausräumen, im Bericht nicht mehr.
  5. AbschlussgesprächDarstellung der Feststellungen nach Schweregrad.Widerspruch ist möglich, aber nur mit Nachweis. Diskussion ohne Beleg verschlechtert die Lage.
  6. MassnahmenKorrekturen mit Ursachenanalyse, Frist und Wirksamkeitsnachweis.Bei Hauptabweichungen entscheidet die Umsetzung über das Zertifikat, nicht das Versprechen.

Was Auditoren stichprobenartig ziehen

Diese fünf Griffe kommen in fast jedem Audit vor, unabhängig von der Norm.

  • Der jüngste Fall: die letzte Reklamation, die letzte Abweichung, der letzte neue Lieferant.
  • Der älteste offene Punkt: eine Massnahme, deren Frist überschritten ist.
  • Der Widerspruch: eine Regelung im Handbuch, die im Gespräch anders beschrieben wird.
  • Das Datum: eine Freigabe, die nach der ersten Lieferung erteilt wurde.
  • Die Lücke: ein Zertifikat, dessen Geltungsbereich den gelieferten Standort nicht abdeckt.

Vorbereitung je Art

ArtVorbereitungHäufigster Fehler
ZertifizierungsauditNachweise der letzten zwölf Monate greifbar, offene Massnahmen abgeschlossen oder mit Termin versehenKurz vor dem Termin Dokumente erzeugen, die rückdatiert wirken.
ÜberwachungsauditVeränderungen seit dem letzten Audit zusammenstellen, Reklamationen und interne Audits bereithaltenAnnehmen, es werde nur wiederholt, was letztes Mal geprüft wurde.
KundenauditVertrag und Spezifikationen kennen, Ansprechpartner aus Qualität und Technik einplanenDen Kunden mit Präsentationen empfangen statt mit Nachweisen.
BehördeninspektionZuständigkeiten und Auskunftsberechtigte vorher festlegen, Unterlagen aktuell haltenImprovisieren. Bei unangekündigten Prüfungen entscheidet die Vorbereitung von gestern.
Internes AuditAuditprogramm risikobasiert planen, Auditoren schulen und Unabhängigkeit sicherstellenDie eigene Abteilung auditieren lassen und keine Feststellungen finden.

Der wirksamste Vorbereitungsschritt kostet nichts: Gehen Sie eine Woche vorher fünf Stichproben selbst durch, so wie ein Auditor sie ziehen würde. Was Sie dabei nicht finden, findet er auch nicht – aber er wird danach fragen.

Die Feststellungen und ihr Gewicht

Hauptabweichung
Eine Anforderung ist nicht erfüllt oder das System versagt an einer Stelle systematisch. Ohne wirksame Korrektur wird kein Zertifikat erteilt oder aufrechterhalten.
Nebenabweichung
Ein Einzelfall oder eine kleinere Lücke. Das Zertifikat wird erteilt, die Korrektur wird nachverfolgt.
Hinweis oder Verbesserungspotenzial
Keine Abweichung, sondern eine Beobachtung. Wer sie ignoriert, findet sie im nächsten Audit als Abweichung wieder.
Ursachenanalyse
Bei jeder Abweichung verlangt: nicht was passiert ist, sondern warum es passieren konnte. Eine Korrektur ohne Ursache wiederholt sich.

Die Vorbereitung, die während des Jahres entsteht

Wenn Nachweise, Fristen und Massnahmen laufend geführt werden, ist der Auditbericht ein Export statt einer Nachtschicht. Genau dafür ist SCRM gebaut.

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