ISO 37001:2016 · Kapitel 8.2 bis 8.5
Bestechung geschieht selten im eigenen Haus. Sie geschieht über Vermittler.
ISO 37001 stellt die Sorgfaltsprüfung von Geschäftspartnern ins Zentrum – Agenten, Vermittler, Berater, Vertriebspartner und Lieferanten in Risikoländern.
Die Norm für Anti-Korruptions-Managementsysteme geht von einer unbequemen Erkenntnis aus: Zahlungen laufen fast nie direkt, sondern über Dritte. Deshalb verlangt sie eine risikobasierte Sorgfaltsprüfung, bevor eine Beziehung eingegangen wird, und Kontrollen, solange sie besteht.
Für Schweizer Unternehmen mit Exportgeschäft ist das mehr als eine Zertifizierungsfrage. Wer in Hochrisikomärkten über Vertretungen arbeitet, trägt ein reales Haftungsrisiko – und braucht im Ernstfall den Nachweis, dass er hingesehen hat.
Wo das Risiko sitzt
- Handelsvertreter und Vermittler mit erfolgsabhängiger Vergütung.
- Berater ohne klar beschriebene Leistung.
- Joint-Venture-Partner und Konsortialpartner.
- Lieferanten und Zollagenten in Ländern mit hohem Korruptionsrisiko.
- Spenden und Sponsoring im Umfeld von Auftraggebern.
Was die Norm verlangt
- 8.2
- Risikobasierte Sorgfaltsprüfung von Geschäftspartnern, Projekten und Transaktionen.
- 8.3
- Finanzielle Kontrollen, die verdeckte Zahlungen erschweren.
- 8.4
- Nichtfinanzielle Kontrollen, insbesondere in Beschaffung und Vergabe.
- 8.5
- Anti-Korruptions-Verpflichtungen von Geschäftspartnern einholen, soweit angemessen.
- 8.9
- Meldewege, über die Verdachtsfälle auch von aussen gemeldet werden können.
Wie SCRM das abbildet
Geschäftspartner statt nur Lieferanten
Vermittler und Berater im selben Bestand wie Warenlieferanten, anders eingestuft.
Prüfung mit Ergebnis
Sorgfaltsprüfung als Vorgang mit Datum, Quelle und Entscheid – nicht als Bauchgefühl.
Verpflichtungserklärungen
Kodizes und Bestätigungen mit Gültigkeit und Wiedervorlage.
Erneute Prüfung
Beziehungen altern; Eigentümerwechsel und neue Projekte lösen eine neue Prüfung aus.
Häufige Fragen
Brauchen wir eine Zertifizierung?
Selten. Die Struktur der Norm ist aber ein brauchbarer Rahmen, auch ohne Zertifikat – und im Ernstfall zählt der dokumentierte Prozess, nicht das Zertifikat an der Wand.
Wie tief prüft man einen Vermittler?
Abhängig von Land, Branche, Vergütungsmodell und Auftraggeber. Erfolgsabhängige Provisionen in Hochrisikomärkten rechtfertigen die höchste Stufe.
Wie verhält sich das zu Know Your Supplier?
Es ist derselbe Vorgang mit anderem Fokus: Identität und wirtschaftlich Berechtigte feststellen, danach das Korruptionsrisiko beurteilen.